Strategie Update: Januar 2026

Zwischen Unsicherheit und Chancen: Wie wird 2026?

RÜCKBLICK

DIE FINANZMÄRKTE IM 2025

Im Jahr 2025 blieb künstliche Intelligenz der dominante Investmenttrend an den Aktienmärkten. Vor allem die grossen US-Technologiekonzerne profitierten überproportional, was zu einer nochmals höheren Konzentration in den wichtigsten Indizes führte. Neben dieser Indexkonzentration sorgten insbesondere die anhaltend hohen Bewertungen für Verunsicherung unter Investoren. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI USA liegt bei rund 28 und damit deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Neben den US-Technologiewerten zählte der europäische Finanzsektor zu den Gewinnern des Jahres. Getragen von einer hohen Kreditnachfrage und stabilen Margen verzeichneten Banken eine starke Kursentwicklung. Institute wie Santander mit +126% oder UniCredit mit +85% gehörten zu den stärksten Performern und unterstrichen die Rückkehr des Sektors in den Fokus der Investoren. Ein besonders schwieriges Umfeld fanden hingegen Investoren in Schweizer Small- und Mid-Cap-Unternehmen vor. Pharma- und Industrieunternehmen litten stark unter geopolitischen Spannungen, die am 1. April mit dem sogenannten «Liberation Day» ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten. Anhaltende handelspolitische Unsicherheiten, Zölle und fragmentierte Lieferketten belasteten Margen und dämpften die Investitionsbereitschaft. Dies führte zu einer aussergewöhnlich hohen Divergenz innerhalb des Schweizer Aktienmarktes.

Der Anleihenmarkt war von Spannungen am US-Staatsanleihenmarkt geprägt. Handelspolitische Unsicherheiten sowie die weiter steigende Staatsverschuldung führten zu wachsender Skepsis, insbesondere am langen Ende der Zinskurve. Die Rendite 30-jähriger USStaatsanleihen stieg im Jahresverlauf mehrfach stark an und überschritt kurzzeitig die Marke von 5% – ein klares Signal für erhöhte Risikoaufschläge und ein nachlassendes Vertrauen in die langfristige fiskalische Stabilität der USA. Der längste Shutdown in der Geschichte der Vereinigten Staaten im Oktober verstärkte diese Unsicherheit zusätzlich.

Der Vertrauensverlust zeigte sich ebenfalls deutlich in der Entwicklung des US-Dollars. Gegenüber dem Schweizer Franken verlor der Dollar über das Jahr betrachtet rund 11 % an Wert. Für Schweizer Investoren wurde damit aufgezeigt, dass Fremdwährungen einen entscheidenden Risikofaktor im Portfolio darstellen. Gold bewährte einmal mehr als Absicherung gegen politische Spannungen und die wachsende Unsicherheit. Die Nachfrage blieb hoch, sowohl seitens der Zentralbanken als auch von Investoren. Im Gegensatz dazu litten die Rohstoffmärkte unter Erwartungen einer wirtschaftlichen Abschwächung. Besonders deutlich zeigte sich dies beim Ölpreis: WTI fiel von rund 74 USD pro Barrel zu Jahresbeginn auf 56 USD, was auf zunehmende Rezessionssorgen hindeutet.

Abseits der klassischen Anlageklassen sorgten Kryptowährungen für Schlagzeilen. Bitcoin erlebte ein ausgesprochen turbulentes Jahr. Nach dem Höchststand Anfang Oktober bei rund 124’000 USD kam es zu einer deutlichen Korrektur, aktuell handelt Bitcoin bei rund 89’000 USD. Diese Volatilität unterstreicht, dass Bitcoin trotz zunehmender Akzeptanz weiterhin weit davon entfernt ist, als stabiler Werterhalt zu dienen. 2025 war ein Jahr grosser Unterschiede – zwischen Regionen, Sektoren, Währungen und einzelnen Titeln. Die Märkte boten Chancen, verlangten aber ein hohes Mass an Selektion, Risikobewusstsein und konsequenter Diversifikation.

AUSBLICK

ZWISCHEN UNSICHERHEIT UND CHANCEN: WIE WIRD 2026?

Das Jahr 2025 bringt bedeutende geopolitische Verschiebungen mit sich: Amerikas neue Zollpolitik, steigende globale Spannungen und wachsender Populismus prägen das Umfeld. Das ist eine neue Realität, mit der wir umgehen müssen. Gleichzeitig zeigt sich eine zentrale Erkenntnis: Klassische Markttreiber wie Makround Fundamentaldaten wirken nicht mehr isoliert, sondern werden von geopolitischen Faktoren überlagert. Das bedeutet nicht weniger, sondern neue Möglichkeiten. Wer diese Dynamiken versteht, kann sich besser positionieren. 2026 wird volatiler, aber auch spannender. Die Unsicherheit nimmt zu – doch flexible Akteure finden Chancen in dieser Transformation. Der Internationale Währungsfonds zeichnet für 2026 ein differenziertes Bild: Nach 3,2 % Wachstum 2025 erwartet er global einen leichten Rückgang auf 3,1 %. Regional zeigen sich klare Unterschiede. Die USA bleiben solide: Mit 2,1 % Wachstum liegen sie unter ihrem Potenzial, halten aber Kurs. Europa kämpft – nur 1,1 % Wachstum unterstreichen die Schwäche. Asien bleibt mit erwarteten 4,7 % der Wachstumstreiber, zeigt jedoch erste Risse. Die Schweiz kann moderat aufatmen: Mit 1,3 % Wachstum geht es leicht aufwärts. Der Konsum ist das Herz der Weltwirtschaft, doch 2026 zeigt sich ein widersprüchliches Bild – besonders in den USA. Die gute Nachricht: Konsum findet statt. Einzelhandelsumsätze bleiben stabil, Autos werden gekauft, Reisen gebucht, Restaurants besucht. Doch unter der Oberfläche wächst die Vorsicht. Weniger neue Hypotheken, sinkende Konsumentenstimmung und rückläufige private Investitionen deuten darauf hin, dass vermehrt gespart wird.

Die Einkaufsmanagerindizes zeigen ein gemischtes Bild. Die Industrie bleibt vorsichtig, die Erwartungen liegen leicht unter neutral. Unsicherheiten bremsen Investitionsbereitschaft. Im Dienstleistungssektor hingegen überwiegt Optimismus. Hotels, Banken und Beratungen blicken positiver nach vorn. Auch die Investorenstimmung hellt sich breit auf, und CEOs werden zunehmend optimistischer – ein starkes Signal für die kommenden Monate. In den USA zeigt sich ein Dilemma: Zölle, solides Wachstum, anhaltender Konsum und eine lockere Geldpolitik halten die Inflation erhöht. Die Rückkehr zur 2-%-Marke rückt in weite Ferne – mit globalen Folgen. Die USA sind zu bedeutend, um isoliert zu bleiben. Eine schwächelnde US-Wirtschaft oder geldpolitische Gegenmassnahmen treffen auch Europa und die Schweiz. Die Notenbanken bleiben überwiegend auf Kurs. In der Schweiz und in Europa dominieren stabile Zinsen und Kontinuität. In den USA rechnen die Märkte hingegen mit zwei bis drei Zinssenkungen, vor allem wegen eines nachlassenden Arbeitsmarkts.

Dieses Umfeld bleibt günstig für Realwerte. Aktien und Rohstoffe profitieren. Nach einem Ausnahmejahr wie 2025 mit zweistelligen Renditen ist jedoch Vorsicht geboten: Das ist nicht die Norm. Übliche Jahre bringen eher moderate Zuwächse. Für die Strategie heisst das: Erstens ist Diversifikation unverzichtbar – auch jenseits klassischer Anlagen. Zweitens sollten gute Zeiten genutzt werden, um sich auf schwierigere Phasen vorzubereiten: Gewinne realisieren, umschichten und gezielte Absicherungen wie Tail-Hedges aufbauen.