Strategie Update: Februar 2026
Private Markets für alle – oder nur ein Traum?
Was Privatanleger wirklich wissen müssen
RÜCKBLICK
DIE FINANZMÄRKTE IM JANUAR
Der Januar 2026 markierte einen schwungvollen Start ins neue Börsenjahr, allerdings mit einer ausgeprägt fragmentierten Entwicklung. Es zeigten sich grosse Unterschiede zwischen Regionen, Sektoren und einzelnen Titeln. Während sich der Aufwärtstrend in den USA fortsetzte, getragen von stabilen Konjunkturdaten und weiterhin soliden Unternehmensgewinnen, verlor die lange dominante Führungsrolle einzelner Mega-Caps an relativer Stärke. Die beginnende Berichtssaison verstärkte diese selektive Marktreaktion. Beim Softwarekonzern Microsoft blieb das Wachstum zwar robust, das Cloudwachstum zeigte jedoch leichte Ermüdungserscheinungen, während gleichzeitig hohe Investitionen in KI-Infrastruktur und Rechenzentren angekündigt wurden. Der Markt reagierte sensibel auf den steigenden Kapitalbedarf und potenziellen Margendruck, was am Berichtstag zu einem Kursrückgang von knapp 10% führte. Das Beispiel unterstreicht, dass bei hoch bewerteten Titeln selbst solide Zahlen nicht ausreichen, wenn sich die Wachstumserwartungen nicht weiter erhöhen. Parallel dazu war im Technologiesektor eine klare Rotation zu beobachten. Während die sogenannten Magnificent Seven an relativer Dynamik verloren, rückten Speicher- und Halbleiterwerte stärker in den Fokus. Speicherchips gelten als zentrale Infrastrukturkomponente der nächsten KI-Phase. Dies deutet darauf hin, dass sich das KI-Thema zunehmend entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausbreitet und nicht mehr nur auf wenige Plattformunternehmen konzentriert ist. Auch am Schweizer und europäischen Aktienmarkt zeigte sich diese Fragmentierung deutlich. Der SMI bewegte sich im Januar insgesamt nur leicht, doch die Spannweite einzelner Titel war aussergewöhnlich gross.
Auf der Verliererseite standen unter anderem Logitech mit rund -16% und Richemont mit etwa -13% seit Jahresbeginn, während auf Monatssicht ABB rund +12% und Swisscom rund +10% zulegen konnten. Im Euro Stoxx 50 reichte die Bandbreite sogar von -18% bei SAP bis hin zu +29% bei ASML. Im Rohstoffbereich setzte sich der Höhenflug bei Edelmetallen fort. Gold eilte im Januar von einem Rekordhoch zum nächsten. Trotz Gewinnmitnahmen gegen Monatsende blieb Gold klar im Plus (+18%). Auch Silber (+44%) zeigte eine sehr starke, wenn auch deutlich volatilere Entwicklung. Für zusätzliche Nervosität sorgte in den Emerging Markets Indonesien. Die Aussicht auf eine mögliche Herabstufung von einem Emerging Market zu einem Frontier Market durch MSCI setzte den lokalen Aktienmarkt unter Druck. Auf der Währungsseite zeigte sich der Schweizer Franken erneut stark und verstärkte damit den Gegenwind für exportorientierte Unternehmen. Gleichzeitig blieb der US-Dollar schwach, wodurch der Euro zeitweise wieder in Richtung 1.20 USD tendierte. Die US-Notenbank beliess den Leitzins wie erwartet unverändert in der Bandbreite von 3.50% bis 3.75%. Die Kommunikation bestätigte eine Fortsetzung der Zinspause und unterstrich den datenabhängigen geldpolitischen Kurs. Zum Jahresauftakt rückte zudem das WEF in Davos in den Fokus und unterstrich aus Schweizer Sicht die Rolle der Schweiz als neutraler Dialog- und Wirtschaftsstandort. Insgesamt zeigte der Januar 2026 ein Marktumfeld, das von Dynamik, aber auch von zunehmender Differenzierung geprägt ist. Für Investoren bedeutet dies ein Umfeld, in dem das Risikobewusstsein an Bedeutung gewinnt.
AUSBLICK
SCHLEICHENDER SYSTEMWECHSEL: DIE NEUE WELTORDNUNG WÄCHST IM STILLEN
Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten, wenn man die täglichen Nachrichten verfolgt. Geopolitische Spannungen dominieren die Berichterstattung, internationale Konflikte fordern Aufmerksamkeit, und überall lauert vermeintliche Unsicherheit. Doch wer sich die Mühe macht, hinter diese Lärmmauer zu schauen, entdeckt ein durchwegs positives makroökonomisches Umfeld. Der internationale Währungsfonds prognostiziert für 2026 ein globales Wachstum von 3,1 Prozent. Das ist nicht spektakulär, aber es ist solide und stabil. Während Europa und die Schweiz weiterhin in einer Phase der Stagnation verweilen, präsentiert sich die wirtschaftliche Realität differenzierter als eine pauschale Schwarzmalerei suggerieren würde. Die USA wachsen mit etwa 2,1 bis 2,5 Prozent – exakt auf dem Niveau ihres Potenzialwachstums. Die echten Wachstumsmotoren liegen woanders: in Asien, wo die Dynamik ungebrochen ist, und an der europäischen Peripherie, wo Länder wie Spanien mit beeindruckenden Wachstumsprognosen aufwarten. Die Inflationserwartungen nähern sich den Zielbereich der Zentralbanken an. Das bedeutet konkret, dass fünf der zehn grössten Wirtschaftsräume ihre Zinsen voraussichtlich nicht verändern werden – darunter die Schweiz und die Eurozone. Neuseeland und Japan werden erhöhen, während Grossbritannien, Norwegen und die USA senken dürften. Ein stimulatives geldpolitisches Umfeld entsteht dadurch, eine Umgebung, die Unternehmungen und Investoren Luft zum Atmen verschafft. Der Zustand des amerikanischen Arbeitsmarkts ist tückischer, als traditionelle Messgrössen vermuten lassen.
Der Konsum in den USA trägt die Last des Wirtschaftswachstums, und die Pensionskassenbeiträge der Arbeitnehmer stützen den Aktienmarkt und seine Struktur entscheidend. Die Trump-Regierung drosselt die Zuwanderung erheblich, und genau hier liegt die Tücke. Klassische Indikatoren wie die Nonfarm Payrolls werden zunehmend unbrauchbar, weil eine schrumpfende Migration weniger neue Stellen erforderlich macht. Der Fokus sollte sich daher auf die Arbeitslosenquote verschieben – und diese ist in den letzten Monaten bemerkenswert angestiegen, wenn auch von niedrigem Niveau aus. Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften sinkt, Umfragewerte zum Arbeitsmarkt verschärfen sich. Zwei mächtige Trends aus dem Vorjahr setzen sich fort. Der US-Dollar schwächelt und mit dieser Entwicklung steigt unaufhaltsam der Preis des gelben Edelmetalls. Gold fasziniert die Märkte, trotz Schwankungen und kurzfristiger Rückgänge. Doch unter dieser kurzfristigen Turbulenz wirkt eine strukturelle Kraft, die sich immer deutlicher abzeichnet. Länder mit bedeutenden Rohstoffvorkommen – zumeist Schwellenländer – sind nicht länger bereit, ihre mühsam erwirtschafteten Rohstoffe gegen US-Dollars zu tauschen und damit auch noch das chronische Budgetdefizit der Vereinigten Staaten zu finanzieren. Ein Paradigmenwechsel vollzieht sich, nicht laut und dramatisch, sondern schleichend, fast unmerklich. Über die kommenden Jahrzehnte werden sich diese Länder graduell vom US-Dollar entfernen. Es ist keine Revolution, sondern eine stille Verschiebung der globalen Machtverhältnisse. Wer diesen Prozess versteht, sieht hinter den täglichen Schlagzeilen die langfristige Neuordnung der Welt.
FOKUS
PRIVATE MARKETS FÜR ALLE – ODER NUR EIN TRAUM?
WAS PRIVATANLEGER WIRKLICH WISSEN MÜSSEN
Die alte Anlagewelt funktioniert nicht mehr. Privatanleger flüchten aus klassischen Anlagen in Private Markets – 4 Billionen Dollar bis 2030. Doch Vorsicht: Illiquidität, undurchschaubare Gebühren und systemische Risiken lauern. Eine Strategie ist nicht optional – sie ist überlebenswichtig.- Zehn Jahre Tiefzinsen – das ist für Pensionskassen verkraftbar. Für Privatanleger wird es zur Falle.
Während grosse Institutionen ihre Zinseinnahmen behalten, zahlt der Privatanleger Steuern darauf. Vom ohnehin mageren Ertrag bleibt nach Abzügen oft nichts. Die Folge ist vorhersehbar: Millionen von Anlegern flüchten aus klassischen Anleihen. Während institutionelle Anleger bereits 27% ihres Vermögens in Private Markets investieren, sind es bei Privatanlegern gerade einmal 6%. Partners Group rechnet vor: In den kommenden zehn Jahren werden Privatanleger ihre Private-Market-Investitionen um 15–20% pro Jahr erhöhen. Institutionelle Anleger dagegen nur um 5–10%. Privatanleger werden zum Wachstumstreiber – nicht aus Zufall, sondern aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Die alte Anlagewelt funktioniert nicht mehr. Private Markets sind die neue Antwort. Allerdings sollten Investoren die Risiken und Herausforderungen dieser Anlageklasse genau kennen.
SEMI-LIQUIDE FONDS: LÖSUNG ODER VERSTECKTE ZEITBOMBE
Private Markets binden Kapital für Jahre. Die Lösung: semi-liquide Fonds, aus denen monatlich Geld bezogen werden kann. Das Geschäft explodiert: Bis 2030 sollen es laut Deloitte 4 Billionen Dollar sein, zwölfmal mehr als heute. Warum dieses Wachstum? Es gibt anzahlmässig 28-mal mehr private als börsennotierte Unternehmen. Firmen bleiben heute im Schnitt über 14 Jahre privat, früher waren es lediglich 6 Jahre im Durchschnitt bis zur Börsennotierung. Regulatoren lockern Vorschriften und Technologie macht Private Assets erstmals handelbar. Fondsmanager verdienen ebenfalls besser, was einen zusätzlichen Anreiz darstellt.
Das Problem: «Liquiditätsmismatch». Anleger können monatlich ihr Geld zurückfordern, die zugrundeliegenden Investments sind aber für 7–10 Jahre blockiert. Hinzu kommt, dass tägliche Bewertungen bei Private Assets kaum möglich sind – ein potenzieller Interessenskonflikt für Manager. Semi-liquide Fonds sind nicht neu. Neu wird jedoch das hohe Anlagevolumen sein. Bislang gibt keine Erfahrungswerte, wie sich Fonds mit 4 Billionen Dollar in einer Marktkrise verhalten. Das könnte ein systemisches Risiko für das ganze Finanzsystem werden.
PRIVATE MARKETS BRAUCHEN STRATEGIE – NICHT BAUCHGEFÜHL
Im Vergleich zu den liquiden Finanzmärkten, herrscht bei Private Markets ein Informationsmangel. Verlässliche Daten sind teuer und schwer zu beschaffen. Die Folge: Investoren können Fonds kaum vergleichen. Neue Manager-Chancen entstehen oft aus dem privaten Umfeld – ohne gründlichen Vergleich. Viele Privatanleger landen deshalb bei Venture-Capital-Fonds, ohne zu wissen, dass hier Selektion und Marktzugang entscheidend sind. Das eigentliche Problem liegt tiefer: Viele Privatanleger investieren strategielos in Private Markets. Keine klare Aufteilung zwischen Private Equity, Private Debt oder anderen Subklassen. Keine Unterscheidung zwischen Venture Capital, Growth oder Buyout Strategien. Keine Diversifizierung über verschiedene Jahrgänge (Vintages). Das ist fatal. Bei Private Markets Investments kann man Einstiege und Ausstiege nicht timen. Die einzige Absicherung gegen schlechte Marktzeitpunkte ist Diversifizierung – über mehrere Jahre und verschiedene Fonds hinweg. Ohne Strategie wird Private Markets zum Glücksspiel statt zur Geldanlage.
PREMIUM-GEBÜHREN OHNE PREMIUMRENDITE
Die Private-Markets-Industrie verlangt weiterhin exorbitante Gebühren: «2% + 20%». Das heisst 2% Gebühren auf die zugesagten Gelder «Commitments» pro Jahr, plus 20% der Gewinne. Diese Kosten nagen massiv an der Rendite. Eigentlich sollte diese Gebührenlast durch eine «Illiquiditätsprämie » gerechtfertigt sein. Privatanleger zahlen Premium-Gebühren, weil sie ihr Geld nicht schnell abziehen können. Als Ausgleich sollen sie höhere Renditen erhalten Doch genau hier zeigt sich das Problem. Diese Prämie wird immer kleiner – teilweise ist sie bereits negativ geworden. Anleger zahlen Premium-Gebühren, bekommen aber keine Premium-Rendite im Gegenzug. Damit lohnen sich Private Markets nur noch dann, wenn es kein liquides Pendant gibt. Will heissen – nur investieren, wenn Private Markets etwas Einzigartiges bieten, das anders nicht verfügbar ist. Sonst zahlt man für die Illiquidität drauf, statt davon zu profitieren.
DIE VERSTECKTE VERWALTUNGSHÖLLE
Die alltäglichen Herausforderungen von Private Markets werden massiv unterschätzt. Private-Markets-Fonds berichten zu unterschiedlichen Zeitpunkten, in unterschiedlichen Formaten, mit unterschiedlichen Bewertungsmethoden. Einen konsolidierten Überblick zu schaffen, klingt einfach, ist aber eine Herausforderung. Wer mehrere Fonds hält, sitzt vor einem Berg von Dokumenten, die nicht zueinander passen. Nur wenige Fonds bieten ein Steuerreporting für Schweizer Privatanleger an. Das heisst, der Anleger muss selbst gegenüber dem Steueramt erklären, welche Einkommen wo entstanden sind. Fehler beim Versteuern belasten die Rendite oder führt zu ungewollten Problemen mit den Behörden. Die Zeichnungsunterlagen und Know-Your-Customer- Dokumente können mehrere hundert Seiten lang sein. Den Überblick zu behalten ist schwer bis unmöglich.
FAZIT
Private Markets Investments können sinnvoll sein. Aber nur mit Köpfchen. Wer hier investiert, braucht eine durchdachte Strategie, tiefes Verständnis der Risiken und realistische Erwartungen. Sonst zahlt man Premium- Preise für normale oder gar negative Renditen. Die Chancen sind real. Die Fallstricke aber auch.

